Chilipflanzen Anbau als Hobby

Chilipflanzen züchten ist ein schönes und abwechslungsreiches Hobby. Die scharfen Chilis können Sie einfach Indoor, auf dem Balkon und im Garten anbauen. Auch berühmte amerikanische Präsidenten, George Washington und Thomas Jefferson, gingen der Freizeitbeschäftigung Chilizucht nach. Georg Washington hatte das große Glück eine Farm direkt am Potomac River zu besitzen. Ganz in der Nähe der Stadt, die heute nach ihm benannt ist: Washington D.C..

Auf der Farm in Mount Vernon, die eher einem riesigen Garten glich, hatte Georg neben einem Unabhängigkeitskrieg, der Gründung der USA, dem Anbau von Tabak auch Zeit scharfe Chilipflanzen zu züchten. Die Zahl der Chilifreunde nimmt weltweit immer mehr zu. Jeder vierte Mensch isst gerne regelmäßig das scharfe Gemüse.

Chilis wurden bereits vor rund 8.000 Jahren in Mittel- und Süd-Amerika kultiviert. Die Gattung der Capsicum pubescens, das sind zum Beispiel Rocotos-Chilis, waren in den Anden bei Peru und Bolivien beheimatet. Daher hatte die Inka-Kultur an der Domestizierung von Capsicum pubescens einen beachtlichen Anteil.

Einjährigen Chilisorten (Capsicum annuum) waren im ehemaligen Aztekenreich bei Mexiko besonders verbreitet. Am Amazonas fand man vorwiegend die besonders scharfen Capsicum chinense Chilipflanzen. Ungefähr mit dem Untergang der alten Indianerreiche vermischten sich die Verbreitungsgebiete zunehmend. Vermutlich trugen die Spanier bei ihren ausgedienten Eroberungszügen dazu bei.

Mit der Entdeckung Amerikas kamen die ersten Chilipflanzen nach Europa. Statt Gold brachte Columbus von seiner ersten Reise „spanischen Pfeffer“ mit.

Auf einer weiteren Schifffahrt nach Amerika erkannte ein Botaniker richtig, dass es sich bei Chilis nicht um eine Pfeffersorte handelt. Er gab der Chilipflanze den lateinischen Namen Capsicum was von Kapsel hergeleitet sein könnte und auf die Fruchtform hindeuten würde. Trotzdem wird Chili aus Spanien bis heute als spanischer Pfeffer oder Piemento bezeichnet.

Bild Cayenne Chili-Pflanze

Handel und Seefahrt von Europa mit Afrika und Asien nahm vor 1600 stark zu. Die Verbreitung der Chili war in dieser Zeit rasant. Über die Gewürzrouten wurden zum Beispiel Pfeffer, Muskat und Zimt importiert. Auf den gleichen Wegen wurden wahrscheinlich die Chilisamen verbreitet.

Zur gleichen Zeit begannen ungarische Mönche das Capsaicin aus der Chili zu züchten. Die heutigen schärfe freie Gemüsepaprika ist ein Ergebnis dieser Züchtung. Ungarischer Paprika ist bis heute sehr beliebt und findet zum Beispiel als mäßig scharfes Letscho in der Küche Verwendung. Das Wort Paprika stammt übrigens aus dem ungarischen, kroatischen Sprachraum, während in Italien eine mittelscharfe Chili „Peperoni“ genannt wird.

Chili-Pflanzen züchten

Chilizüchter sollten schon im Januar mit der Aussaat beginnen. Die meisten Capsicum annuum und frutescens Samen lassen sich leicht zum Keimen bringen. Ein Zimmergewächshaus mit Torfquelltabs oder Anzuchterde ist ideal um Chilis auf der Fensterbank keimen zu lassen. Die Samenkörner werden in ein bis zwei Zentimeter tiefe in die Anzuchterde gesät.

Mit einem preiswerten Bleistift haben Sie ein simples Hilfswerkzeug, welches Ihnen hilft, die Chilisamen unter die Erde zu bringen. Mit der Spitze stechen Sie ein Pflanzloch im Anzuchtsubtrat, Chilisamen hinein legen und mit dem Stiftende den Samen mit Erde abdecken.

Minigewächshaus an einem warmen, sonnigen Ort stellen. Chilisamen keimen am besten bei Temperaturen um 25 °C. Ideal ist ein beheizbares Gewächshaus um die Chilipflanzen zum Keimen zu bringen. Die Saison ist bei den schnell wachsenden Sorten von März bis Oktober.

Habaneros und Rocotos sollten Sie zwischen Weihnachten und Silvester vorbereiten. Eine frühe Anzucht ist deshalb so früh nötig, damit die Schoten noch genug Zeit haben abzureifen. Für den Indoor Anbau mit künstlichen Pflanzenlicht sind Chilis, wie auch viele andere Nachtschattengewächse, sehr schön geeignet.

Chilisamen vorbehandeln

Bei Samen aus reifen Chilischoten aus Supermärkten von Gemüsehändlern können Sie gleich mit der Aussaat beginnen. Bei getrockneten Samenkörnern hat es sich bewährt, diese über Nacht in abgekühlten Kamillentee quellen zu lassen.

Kamillentee hat den Vorteil, dass er antiseptisch wirkt. Damit wird schädlichen Pilzen und Bakterien das Leben schwer gemacht. Neben den bekannten und viel diskutierten Keim-Methoden, die im Internet gefunden werden können, hat sich bei unseren Versuchen verdünnter Zitronensaft als perfekter Keimprozess-Auslöser herausgestellt.

Samen, die über Nacht in einer Schale mit Wasser und dem Saft einer halben Zitrone eingeweicht wurden, keimten bis zu 30 % mehr als bei allen anderen Methoden. Vermutlich löst die Zitronensäure den Keimprozess aus, weil es die Säure des Vogel-Magens imitiert. Es ist ebenso möglich, das die Säure die Samenschale für Wasser durchlässiger macht.

Keimlinge vereinzeln und pikieren

Nach spätestens zwei Wochen sollten die Chilis gekeimt sein. Nach vier Wochen sollten sich neben den zwei Keimblättern echte Blätter bilden. Das ist dann der richtige Zeitpunkt die Jungpflanzen zu vereinzeln. Wenn die kleinen Chilipflanzen in einem Torfquelltöpfchen gezogen wurden, können diese einfach in einen großen Blumentopf mit Tomatenerde umtopfen.

Andernfalls werden die kleinen Pflänzchen vereinzelt durch pikieren. Bei Pikieren wird die Erde etwas aufgelockert, ideal ist dafür ein Pikierstab. Vorsichtig werden die kleinen Chilis aus der Anzuchterde gezogen. Das ein paar feine Wurzeln dabei abreißen lässt sich nicht ganz vermeiden.

Nach dem Umpflanzen wachsen die Wurzeln schnell und meistens auch noch kräftiger nach. Dies können Sie noch unterstützen durch ein Meeresalgen Extrakt welches Sie mit dem Steckling in die Erde geben.

Chili Substrat und Erde

Nährstoffarme Kräutererde oder spezielles Anzuchtsubstrat ist für die Aussaat perfekt. Im Blumenkübel, Balkonkasten oder im Garten ist Tomatenerde ideal.

Wichtig ist das die Erde luftdurchlässig ist und sich keine Staunässe bildet. Schön ist es, wenn in der Anzuchterde oder der Kräutererde weiße Körner (Perlit) beigemischt sind. Perlit und Aquariensand können Sie aber auch selbst der Erde beimengen. Der Pflanzenbehälter sollte genug Platz bieten, damit die Wurzel genug Platz haben. Stößt die Wurzel an ihre Grenzen, wächst die Pflanze oberirdisch nicht mehr so gut.

Chili-Pflege

Damit die Ihre Chilis richtig Pflegen können, bedarf es nur ein wenig Wissen über die Pflanzen mit den scharfen Chili-Schoten. Hier ein paar Tipps zur Pflege für den ertragreichen Chili-Anbau:

Chilipflanzen gießen

Der Tod jeder Chilipflanze ist Staunässe. Gießen Sie ruhig sparsam. Wenn Sie mit Ihren Finger zwei Zentimeter in den Boden stecken, sollte es dort Tabak-feucht sein. Das reicht den Chilipflanzen meistens völlig aus. Aus einem Wassertank, einem Nylonstrumpf oder einem Mikrofasertuch kann man sich eine einfache Bewässerungsvorrichtung selber machen. Bei besonders heißen, sonnigen Tagen müssen Sie sonst die Blumenkübel sehr häufig gießen. Blumenkästen mit einem Wasserspeicher sind eine gute Wahl zum Züchten auf dem Balkon.

 Chilipflanzen düngen

Chilis sind Nachtschattengewächse(Solanaceae). Zu den Nachtschattengewächsen gehören auch Tomaten, Tabak und Cannabis. Besonders Tomatendünger entspricht den Nährstoffbedarf von Chilipflanzen am ehesten. Außerdem ist der NPK-Dünger in den meisten Baumärkten und Gartencenter preiswert zu bekommen. Bei einem NPK – Dünger für Chilis ist ein hoher Kalium Anteil für den Boden und für die Fruchtbildung von Vorteil.

Auf typischen Tomatendünger steht eine Zahlenkombination, die annähernd 7-3-10 entsprechen sollte. Das N (7) steht übrigens für Stickstoff, P (3) steht für Phosphor und K (10) für Kalium. Sollte sich in Ihrer Nähe ein Grow-Shop befinden, kann es nicht schaden diesen zu besuchen. Die Hanfzüchter investieren viel Know-How in die Zucht Ihrer Nachtschattengewächse. Dort kann man sich bei der durchaus professionelle Gärtnerei das eine oder andere abschauen. Spezielle, sehr teure, Dünger werden auf verschiedenen Wachstumsphasen genau abgestimmt.

Chili nach draußen auspflanzen

Ab Mitte Mai, nach den Eisheiligen kann es dann sicher auf dem Balkon oder in dem Garten gehen. Denken Sie daran, wenn Sie die Pflanzen an die Luft setzen, diese erst langsam an die Sonne gewöhnen. Nicht sofort in die pralle Sonne stellen, da die Pflanzen, die hinter Glas gezogen wurden, noch keinen Sonnenschutz gegen das UV-Licht aufgebaut haben.

Nach einem Tag im Schatten verfügt die Chilipflanze über einen ersten Sonnenschutz und verbrennt nicht mehr so schnell. Ist die Chili an die Sonne gewöhnt, Suchen Sie ihr einen sonnigen Platz aus. Sie wird es Ihnen mit aromatischen, reifen Schoten später in der Saison danken.

Bild von Chilis
verschiedene Chilis

Chilisorten

Samen von Chilis von verschiedensten Sorten finden Sie in Hülle und Fülle bei Online Händlern. Von den Klassikern Jalapeño, Anaheim, Cayenne bis hin zu den aromatischen Habaneros finden Sie alles an Schärfe, Farbe, Form und Größe was das Chili Herz höher schlagen lässt. In Baumärkten und auch im Versandhandel bekommen Sie auch Jungpflanzen.

Es gibt ca. 33 verschiedene Capsicum Sorten, am meisten verbreitetet sind :

Capsicum annuum

Capsicum annuum sind einjährige Chilisorten. Einjährig kann bei dieser Art natürlich schnell missverstanden werden. Die Pflanzen werden leicht älter als 18 Monate bei guten Anbaubedingungen. Ein Überwintern in unseren Breitengraden lohnt sich also meistens.

Die Pflanzen tragen auch in zwei oder mehr Sommern. Zu dieser Gattung zählen Cayenne, De Arbol, Mirasol, New Mexican, Serrano Jalapeño und die meisten Gemüse und Glockenpaprika. Sie gelten als recht unproblematisch. Sowohl beim Keimen, in der Aufzucht und Pflege. Die Capsicum annuum Sorte gehört zu den an meisten angepflanzten und kultivierten Chilisorten und ist auch gut für Urban Gardening geeignet. Es gibt sehr milde aber auch sehr scharfe Chilis von dieser Gattung. Eine ideale Sorte also auch für neue Chili-Fans.

Capsicum baccatum

Capsicum baccatum gehören zur größten Gattung der Capsicum-Pflanzen. Baccatum wird häufig mit „beerenartig“ übersetzt. Die Früchte der Capsicum baccatum können jedoch sehr groß werden. Beispiele sind dafür Bishops Crown und Lemon Drop. In einem ausreichend großen Topf gepflanzt, werden einige Sorten dieser Gattung um die zwei Meter groß. Dabei haben Sie einen langen Stamm und verzweigen in der Krone sehr stark.

Daher ist der zweite Begriff, der für baccatum oft genannt wird „baumartig“ eigentlich der passendere. Die Chili-Früchte sind meistens überdurchschnittlich scharf. Erkennen können Sie eine Baccatum Pflanze an den Blüten mit grünen, gelben oder braunen Flecken.

Bei Ausgrabungen wurden festgestellt das diese Sorte um 2500 v.Chr. angefangen wurde gezielt auf Ertrag zu züchten. Die Capsicum baccatum hatte in der Zeit vor Columbus im 15. Jahrhundert die größte Verbreitung und war sowohl bei den Azteken und Inkas bekannt. Auf dieser englischen Seite ist ein schöner Beitrag über große Capsicum baccatum Chilis.

Capsicum chinense

Der Name Capsicum chinense geht auf dem Irrtum des Botanikers Freiherr von Jacquin zurück. Aus noch nicht ganz geklärten Gründen ging er davon aus, das die Pflanze aus China kommt. Er musste gewusst haben das Capsicum chinense besonders in der Karibik, im Amazonas Gebiet und Mexiko verbreitet war. Wahrscheinlich wurde ihm diese Chili-Art um 1780 von chinesischen Händlern angeboten, weswegen er dort auch das Herkunftsland sah. Wie alle Chilisorten kommt Capsicum chinense ursprünglich vom amerikanischen Kontinent.

Habaneros gehören als bekanntesten Vertretern zu dieser Gattung. Kommt man mit der brutalen Schärfe der Habaneros klar, schmeckt man ein unheimlich starkes Aroma bei den kleinen, faltigen Paprikas. Der Geschmack ist sehr fruchtig und manchmal schmecken Sie bei den scharfen Früchten ein tolles Pfirsich-Aroma. In einem intergalaktischen Gulasch oder Chili-con-Carne sollte eine Habanero oder eine ihr ähnliche Fatalii nicht fehlen.

Die klein gehackte Habanero halten Sie am besten in einem Teesieb für ein paar Minuten unter fließenden Wasser. Dadurch spülen Sie etwas von der Schärfe aus und trotzdem bleibt das fantastischen Aroma erhalten.
Capsicum chinense ist vermutlich die interessanteste Gattung für echte Chiliheads.

Capsicum frutescens

Capsicum frutescens sind eine Chilipflanzen Gattung, welche als mehrjähriger Strauch wachsen. Die Anzucht und Pflege ist recht unkompliziert. Der bekannteste Vertreter dürfte der Tabsco Chili sein. Der Name Tabasco kommt von dem gleichnamigen Mexikanischen Bundesstaat. Die Schoten sind meistens dünn wandig und haben einen hohen Schärfegrad.

Die Chilischoten wachsen oft nach oben gereckt, was wahrscheinlich den Vögel das anbeißen einfacher machen soll. Capsicum frutescens erinnern damit an die ursprünglichen Wildformen der Chilis. Wenn Sie die Möglichkeit haben, pflanzen Sie die mehrjährigen Chilis in großen Blumenkübel. So können sie im Sommer nach draußen in die Sonne gestellt werden, und im Herbst in die Wohnung zum Überwintern.

Capsicum pubescens

Capsicum pubescens haben behaarte Blätter um Feuchtigkeit vom Morgentau und Nebel aufnehmen zu können. In den kargen Anden ist das ein wichtiger Vorteil. In den Bergen vom heutigen Bolivien war die Pflanzen ursprünglich beheimatet. Die Chilipflanze kann bis zu 15 Jahre alt werden und kann sogar leichten Frost vertragen.

Die Schärfe von Chilis

Der scharfe Geschmack der Menschen zum Schwitzen bringt wird ausgelöst durch Capsaicin in den Chilis. Genau genommen ist es kein Geschmack, sondern die Rezeptoren im Mund wird so gereizt das dem Gehirn gemeldet wird, das man sich verbrennt. Gemessen wird die Schärfe in Scoville. Herr Scoville hatte 1912 die Idee die Stärke damit zu messen, ab wann man die Schärfe nicht mehr schmeckt, wenn man das Chili mit Wasser verdünnt. Diese Messmethode war etwas Subjektiv aber einfach und effizient. Heute wird Scoville elektronisch bestimmt.

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